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Insektenfreundliche Pflanzen

Vorsicht: Falle! Wenn Sie das Wort „insektenfreundlich“ auf einer Packung oder einem Produkt kleben sehen, lohnt es sich, den Beipackzettel zu studieren. Aber da es den meistens nicht gibt und man nicht erfährt, was drin steckt bzw. wer dahinter steckt, lieber gleich: Finger weg. Insektenfreundliche Pflanzen sind ein Modewort für viele Ramschverkäufer geworden. Mit dem Label, „Wir tun was für Insekten“ lässt sich jeder Scheiß verkaufen. Dabei ist es ganz einfach: Legen Sie einen Naturgarten an, pflanzen naturnahes Grün mit heimische Wildpflanzen und pflegen des anständig, dann haben Sie insektenfreundliche Pflanzen ohne Ende. Jede heimische Pflanze ist per se insektenfreundlich. Manche allerdings mehr, manche weniger stark. Doch alle sind sie wichtig, erst mit allem wird es ein Ganzes. Ein paar von den besonders viele Insekten in ihren Bann ziehende Arten haben wir für Sie aufgeschrieben. den Beipackzettel finden Sie dann zum Beispiel im Bach Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten oder im Einsteiger-Buch ins Thema Natur für jeden Garten. Nun also: Lassen Sie es fliegen, aber keinesfalls nur Honigbienen.

Meistens beschränkt sich die Sichtweise auf Blütenbesuche(r). Doch die sind fast immer unspezifisch. Ein Zitronenfalter besucht bestimmt mal einen nordamerikanischen Sonnenhut. Ein Admiral den asiatischen Schmetterlingsstrauch. Das heißt noch lange nicht, dass die auch insektenfreundlich sind. Insektenfreundlich für einen Zitronenfalter wären hingegen zwei heimische Sträucher, der Faulbaum oder Gewöhnliche Kreuzdorn, an dem seine Raupen aufwachsen. Im Falles des Admiral ist das Raupenfutter die Brennnessel. Während also das ausgewachsene Insekt allerlei Blüten besucht und es manchen fast schon egal ist, welche, braucht es zur Vermehrung ganz bestimmte und oft noch mal ganz andere Wildpflanzen. Sie sehen, dass wir in biologischen Funktionskreisen denken müssen. Blütenbesucher allein sagen gar nichts. Aber alle Welt beschränkt sich beim Thema vorrangig gerade darauf. Erst wenn die Fortpflanzung ins Spiel kommt, wird es interessant bzw. insektenfreundlich. Die Evolution hat präzise Anpassungen nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip entwickelt. 90 % unserer pflanzenfressenden Insekten sind deshalb auf heimische Wildpflanzen angewiesen. Nur 10 % der Arten kommen auch mit nichtheimischen Pflanzen klar. Umgedreht bedeutet dass, dass wir mit jeder angesäten Exotenmischung, mit jedem Exotenstrauch, mit jedem Exotenbaum 90 % aller Insekten aus unserem Garten werfen.

Selbst bei Blütenbesuchern unterscheiden wir zwei große Gruppen: Generalisten und Spezialisten. Beim Blütenbesuch finden sich viele Generalisten, aber auch ausgesuchte Spezialisten. Rote Mauerbienen zum Beispiel besuchen als Generalisten viele Wildpflanzenblüten, sogar einige nichtheimische Arten. Natternkopf-Mauerbienen hingegen besuchen als Spezialisten als Erwachsene fast ausschließlich Natternkopf und benötigen für die Fortpflanzung ebenso nur diese heimische Wildpflanze.

Und was ist jetzt mit einer Blutbiene auf einer Blüte, egal ob heimisch oder exotisch? Da wird es wiederum differenzierter. Blutbienen sind Brutparasiten bei verschiedenen Wildbienenarten. Die Erwachsenen besuchen alle möglichen Blüten. Doch ihr Nachwuchs lebt eben nur in Nestern bestimmter Seiden-, Furchen- oder Schmalbienen, die wiederum zum Teil als Spezialisten ihren Nachwuchs nur mit Pollen und Nektar von bestimmten heimischen Pflanzen aufziehen. Indirekt brauchen sogar unspezifische Blütenbesucher wie die Blutbiene für ihre Vermehrung zum Teil hochspezialisierte, andere Blütenbesucher. So bauen sich ganze Nahrungsnetze und komplexe Wechselbeziehungen auf. Es ist also gar nicht einfach – und nicht damit getan, irgendwo ein Päckchen Saatgut hinzuschmeißen und sich dann an ein paar Bütenbesuchern zu erfreuen.

Zum Schluß noch ein paar Hinweise, was wirklich insektenfreundliche Pflanzen sind:

  • heimische Wildpflanzen stehen ganz oben
  • am beliebtesten sind Pflanzenfamilien wie Dolden-, Lippen- und Rachenblütler sowie Korbblütler
  • wenn schon nichtheimische Pflanzenarten, dann am besten verwandte Gattungen und Arten aus direkt angrenzenden Nachbar-Florenregionen in Südosteuropa und Südeuropa. So verlieren wir nicht so viele Tierarten, denn viele dieser nichtheimischen Wildpflanzen gleichen im Prinzip in Blütenbau und -eigenschaften den heimischen bekannten Arten. Da können unsere Tierarten also noch mit.