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Stauden-Mischpflanzungen

In den letzten Jahren entwickelten sich im öffentlichen Grün neue Tendenzen. Viele Kommunen nahmen mit großer Begeisterung die von verschiedenen Fachhochschulen entwickelten Staudenmischpflanzungen auf. Das ist zu begrüßen, denn gerade im öffentlichen Grün befinden sich artenreiche und ästhetisch ansprechende Staudenpflanzungen seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Genauso gut eignen sich solche Rezepte aber auch für den eigenen Garten.

Das neue Konzept sieht für unkrautfreie Flächen eine bunte Mischung verschiedenster Stauden vor. Es handelt sich um durchdachte Rezepte, die unabhängig von der Fläche umgesetzt werden können. Vorteile sind:

  • unkompliziert in Planung und Pflanzung 
  • attraktiv und langblühend durch Zwiebeln und Stauden
  • gegenüber herkömmlichen Staudenpflanzungen kostengünstiger
  • einfache Pflege durch Mähen einmal im Jahr
  • wesentlich längere Haltbarkeit als konventionelle Beete.

Schwerpunkt heimische Arten

Die hier vorgestellten Zusammenstellungen der Naturgarten-Blütensteppe schließen eine Lücke im Bereich der sehr bewährten Mischpflanzungen wie Silbersommer, Perennemix, Wädenswiler Mischungen, etc. Sie legen den Schwerpunkt auf heimische Arten und bringen die gegenwärtigen Forschungen und Erkenntnisse auf den aktuellen Stand. Sie werden in zwei Farbkompositionen angeboten: Schwerpunkt mit den Blütenfarben

  • rot und weiß
  • blau, weiß und gelb

Beides gibt es noch dazu in zwei Varianten. Je nach persönlicher Ausrichtung kann dabei die rein heimische Variante oder die mit Sorten gewählt werden. So lassen sich trotz verschiedener Ansatzpunkte, Anschauungen und Meinungen heimische Zusammenstellungen finden. Sowohl für „reine“ Naturgärtner als auch für „konventionelle“ Staudengärtner besteht hiermit ein attraktives Angebot. Verbesserungsvorschläge und regionale Anpassungen sind erwünscht und nötig. Auch werden nicht in jedem Fall alle der Arten zu bekommen sein. Es ist Ziel dieser Veröffentlichung, dass möglichst viele Institutionen, Kommunen und Privatleute diese Vorschläge in der Praxis ausprobieren.

Prinzipien heimischer Mischpflanzungen

  • Schwerpunkt heimische Arten. Als Maßgabe dient der aktuelle Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands(Haeupler/Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, Ulmer 2007). Das Hauptgewicht liegt auf indigenen und archäophytischen Arten, daneben kommen auch neophytische Arten zum Zuge, aber keine potentiell invasorischen.
  • Die Grundkonzeption sind bei uns wachsende Arten ohne Sorten. Sorten von hiesigen Wildpflanzen können aus ästhetischen Gründen verwendet werden, sofern es sich um fertile, genetisch durch Aussaat sich vermehrende Arten handelt, also Mutationen von hiesigen Wildarten.
  • Maximal 10 % fremde Arten. Aus Gründen der Struktur und Textur der Pflanzung sind wenige, nicht-invasorische Arten angebracht. Es wird aber für diese möglicher hiesiger Ersatz genannt.
  • Gleichzeitig Pflanzungen und Ansaaten. Die Substrate werden so gebaut, dass gleichzeitig Ansaaten von Pionierarten (Ein-, Zweijährige) und Stauden in den Lücken möglich sind.
  • Das Prinzip Nachhaltigkeit mit entsprechenden Pflanzungen und Ansaaten (Reinhard Witt: Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten. NaturGartenVerlag 2020) wird angestrebt. Die verwendeten Arten sollen sich vegetativ oder generativ vermehren können, um über möglichst lange Zeiträume erfolgreiche, ästhetisch ansprechende, kostengünstige und pflegeleichte Mischpflanzungen zu ergeben.

Substrate für die Naturgarten-Blütensteppe

Grundvoraussetzung sind unkrautfreie Substrate ohne Wurzelunkräuter. Beide Pflanzvorschläge benötigen Trockenstandorte, die besonders schönblütig und pflegeleicht sind, was gerade im öffentlichen Bereich oft vorkommt. Beide Mischungen sind für magere. trockene Standorte konzipiert, z.B. für Verkehrsinseln, Strassenränder und ähnliche mineralische oder Rohbodenstandorte. Oft sind solche Standorte bauseits durch den Wegebau bereits vorhanden, wodurch folglich keine zusätzlichen Maßnahmen getroffen werden müssen, so dass Punkt 1+2 wegfallen. Immer aber auf unkrautfreie Böden achten, sonst funktionieren die Rezepte garantiert nicht.

  1. Oberboden ca. 15-20 cm tief entfernen, dabei alle Wurzelunkräuter wie Quecke noch tiefer ausgraben und vollständig jäten.
  2. Auffüllen durch 15-20 cm mineralische Baustoffe wie Kies, Schotter, Recyclingbruch. Wichtig für die Ansaat ist eine Korngrössenverteilung mit Nullanteil, etwa  0/22, 0/26 oder 0/32 mm. Auch Sand 0/4 mm ist geeignet, allerdings basieren die Vorschläge auf kalkreicheren Substraten. Es muss also ein kalkreicher Sand sein.  
  3. Einarbeiten mit Rechen oder Misthacke von ca. 2 – 4 cm hygienisiertem Grünschnittkompost in die oberen 2-3 cm.
  4. Bepflanzung und Einsaat mit den Naturgarten-Blütensteppe-Varianten.

Pflanzzeiten

Man kann Staudenmischpflanzungen bei frostfreiem Boden das ganze Jahr über anlegen. Auch darf ganzjährig gesät werden. Optimale Zeitpunkte sind natürlich Frühling und Frühsommer, da sich hier sofort Erfolg zeigt. Zwiebeln werden im Herbst zwischen die Stauden gesteckt. Sie werden – bunt gemischt und gleichmäßig über die gesamte Fläche verteilt – einzeln in vorbereitete Löcher gepflanzt (pro Loch eine Zwiebel!).

Pflege

  • Ansaatflächen die ersten 6 – 8 Wochen feucht halten.
  • Trotz prinzipieller Unkrautfreiheit des Bodens sollten für die ersten 2-3 Jahre jährlich 2-3 Pflegegänge durchgeführt werden, um einfliegende Samenunkräuter oder übersehene Wurzelunkräuter von vornherein auszumerzen.
  • Die Mischungen müssen nur einmal jährlich mit Balken oder Fadenmäher gemäht (vorzugsweise im Spätwinter vor Beginn des Zwiebelaustriebes) werden. Das Mähgut darf  nicht liegen bleiben. (Halb-)Gehölze sind von der Mahd auszusparen. Nur in schneereichen Regionen sollte eine Herbstmahd erfolgen, ansonsten ist der Winterstand der trockenen Stauden und Gräser bis zum Austrieb der Zwiebeln im Februar/ März/ April zu bevorzugen. Manche Kommunen mähen dennoch zweimal. Die Mahd Ende Juli sorgt für eine ansprechende Zweitblüte ab September, die zweite Mahd erfolgt dann zwischen Oktober und März/ April.  

Artenzusammensetzung

Wir haben für Sie zwei gut funktionierende Standardrezepte aufgeschrieben. Hier zum Download:
Blau-weiß-gelbe Naturgarten-Blütensteppe
Rot-weiße Naturgarten-Blütensteppe
Auf Anfrage planen wir für Ihr Projekt auch andere, ganz individuelle Rezepte.

Vergleich nichtheimische/ heimische Mischpflanzungen

Im direkten ästhetischen Vergleich punkten nichtheimische und heimische Mischpflanzungen von Frühling bis Frühsommer etwa gleich gut. Danach sehen nichtheimische Mischpflanzungen, vor allem nach dem Hochsommer, meist besser aus, da sie attraktivere Sorten auch von Spätsommer- und Herbstblühern erhalten. Dies kann zumindest teilweise durch eine Hochsommermahd bei den heimischen Mischungen vermindert werden.

Nichtheimische Staudenmischpflanzungen zeichnen sich durch größere Einheitlichkeit und Vorhersagbarkeit aus. Sie kommen in der Regel genau so, wie bestellt und gepflanzt. Doch weil viele Sorten nicht so fertil sind, um sich ausreichend reproduzieren zu können, weil sie stärker altern und einige Kulturarten/ Sorten ausfallen, nimmt ihre Qualität und Schönheit mit den Jahren ab. Das ist ein Nachteil.

Bei heimischen Mischpflanzungen ist das geradezu gegenteilig. Sie zeigten sich an keinem der Standorte gleich. Individuelle Unterschiede der Pflanzengruppierung, der Böden und auch der Pflege führten trotz gleicher Ausgangsbasis sehr schnell zu unterschiedlichen Ergebnissen. Jeder Standort entfaltete sein eigenes Bild. Dies wurde besonders durch die Einsaaten von Einjährigen und Stauden in die Pflanzlücken bedingt, die eine große anfängliche Schönheit und erlebbare Dynamik in die heimischen Mischpflanzungen bringen. Durch sie und die Aussaat und Verbreitung der fertilen gepflanzten Stauden, aber auch durch die Sukzession der ganzen Pflanzengemeinschaft veränderte sich das Bild noch stärker. Keine Mischpflanzung ist bei identischer Anfangsrezeptur einer anderen vergleichbar. Das ist kein Nachteil, sondern ein großer Vorteil, da die heimischen Stauden in der Lage sind, sich eigenständig zu vermehren und so eine jeweils standortspezifische Entwicklung nehmen. Wir halten fest: Heimische Mischpflanzungen sind anpassungsfähiger und entwickeln sich vielfältiger als nichtheimische. Diese Fähigkeiten sind in Klimawandel-Zeiten stärker gefragt als je zuvor.

Wiewohl diese Erkenntnisse noch temporär und vorläufig sind, wird folgendes für die Zukunft erwartet: Heimische Mischpflanzungen sollten in Bezug auf Nachhaltigkeit besser abschneiden als nichtheimische Pflanzungen, von denen manche aus ästhetischen Gründen nach einigen Jahren schon wieder neu angelegt werden müssen. Aus den hier vorgestellten Mischungen können sich bei guter Pflege hingegen langfristig erfolgreiche, kosten- und zeitsparende Trockenstandorte entwickeln. Bei schlechter Pflege haben sie die Chance ausdauernde, stabile Blumenwiesen zu werden.